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Black Friday for Monaco

Es ist Freitag morgen, Ende Oktober. Wir sind beide spät dran. Brigitte und ich treffen uns im Baadercafé, um zu besprechen, was für die kommenden Wochen ansteht. Bis Weihnachten ist es nicht mehr weit, die Hauptgeschäftszeit für Einzelhändler, wie uns. Es gibt also viel zu planen. Doch vorher müssen wir über den Black Friday sprechen. Der Black Friday kommt aus Amerika, findet immer am Freitag nach Thanks Giving statt und wird als Auftakt für das Weihnachtsgeschäft genutzt. Die Amerikaner drehen an diesen Tagen völlig durch und der Handel reduziert die Preise unterirdisch. Sinnloser Konsum wird stak gefördert. Mit solchen Aktionen hängt die Branche sich mehr oder weniger selbst den Strick an die Decke. Der Preisdruck für die Produzenten und der für die Arbeiter*innen steigt zusätzlich und auch für die Umwelt ist das Ganze eine Katastrophe. 

„Mit Brigittes erster Reaktion: „Da machen wir nicht mit!“ hatte ich gerechnet. Unser Arbeitstitel war ab sofort „No fucking Black Friday“. „

So setzte ich eine ernste Miene auf und sagte zu Brigitte „Wir müssen über den Black Friday sprechen.“ Mit Brigittes erster Reaktion: „Da machen wir nicht mit!“ hatte ich gerechnet. Unser Arbeitstitel war ab sofort „No fucking Black Friday“. Schnell war klar, wir wollen das Gegenteil tun, nicht reduzieren, stattdessen etwas spenden.

ABOUT GIVEN x BELLEVUE DI MONACO

„Wir spenden 5% unseres Tagesumsatzes ans Bellevue di Monaco!“ kam es, wie aus der Pistole geschossen. Auf meine Frage, was das denn sei, erklärte mir Brigitte mit leuchtenden Augen, dass in einem Spekulationsgebäude Müller-, Ecke Corneliusstraße ein tolles Wohn- und Kulturzentrum für Geflüchtete und Nichtgeflüchtete entstanden ist. 

Und dann kam es mir wieder in den Sinn. Das Restaurant mit der Glasfront und den, mit Glühbirnen besetzten, großen Buchstaben BELLEVUE DI MONACO an der Außenfassade. 

Mein Eindruck, als ich zum ersten Mal vorbei gegangen bin, war: Jetzt haben wir schon wieder so ein Schickerialokal im Glockenbach. Dementsprechend überrascht war ich nun, um was es hier wirklich geht.

#LOVE – ein Ort der Begegnung

Als ich dann einen Tag später ins Bellevue di Monaco komme, scheint die Oktobersonne so stark, dass sich alle Gäste draußen, an den vielen Tischen oder direkt auf der langen Bank vor der Fensterfront sammeln.

Oben an einem der sonnigen Balkone hängt ein riesiges Plakat, auf dem #LOVE steht. Das Motto ist hier Gesetz. Menschen unterschiedlichster Herkunft sitzen zusammen und unterhalten sich angeregt.

„Ich muss kurz über mich selbst und mein erstes Urteil über diesen Ort lachen.“

Es wird respektvoll miteinander umgegangen, alle rücken zusammen und teilen jeden Zentimeter in der Sonne. Ich muss kurz über mich selbst und mein erstes Urteil über diesen Ort lachen.

Als ich durch den schweren Flizvorhang den Raum betrete, begrüßt mich eine große Säule und davor eine riesige Spendenbox die ausschaut, wie das Haus selbst und so erst entdecke ich, dass es auf dem Dach des Gebäudes einen Sportplatz gibt. An der Wand hängt ein Portrait eines Basketballkorbes.

Ich gehe um die Säule rum und entdecke einen sprechenden Grenzstein, der Münchner Fluchtgeschichten aus dem Zweiten Weltkrieg erzählt.

Hier fühlen wir uns wohl

Der zweistöckige Raum ist mit Vintagemöbeln und überaus cool designten Tischen und Stühlen eingerichtet. Später finde ich heraus, dass die Möbel in Zusammenarbeit mit Geflüchteten, der Fakultät für Design der Hochschule München und dem Möbelhersteller GO IN entstehen und auch gekauft werden können. Die große Leuchte im 60er Jahre Stil schmückt die Mitte des Raumes.

Auch die neue Theke, an der eine Frau mit Bob, im Karohemd und Sonnenbrille sitzt, ist im Anklang an die 60er gestaltet und erinnert an die Balkongeländer an der Außenfassade. Es scheint, als ob sie schon immer genau dort steht, so gut passt sie in diesen Raum. Die hintere Wand der Empore ziert ein volles Bücherregal und es läuft Jazz Musik. Mir fällt auf, dass viele hier VEJA Schuhe und Nudie Jeans tragen. Umso besser, unsere Kunden scheinen sich hier genauso wohl zu fühlen wie ich.

Drei Frauen mit bunten Taschen betreten den Raum. Eine trägt eine Trommel, die andere eine Gitarre, die dritte scheint eine Musiziersession zu organisieren und führt die beiden in den Innenhof. Ich folgen den dreien und finde dort bunt-besprayte Hauswände, einen Basketballhof und noch mehr Tische. Ich kann es nicht glauben, dass ich diesen Ort der Begegnung erst jetzt entdeckt habe.

Bunt und inspirierend

Zurück an der Theke wird mir freudig verkündet, dass es heute ein Buffet gibt – juhu!

Ich kann zwischen 10-15 € zahlen und soviel essen wie ich möchte. Kuchen ist zu meinem Bedauern nicht inkludiert. Das Buffet besteht vor allem aus Gerichten, die man auf einem orientalischen Vorspeisenteller findet: Humus, Couscoussalat, Zigarettenbörek, Falaffel, Kichererbsen-Auberginen-Salat und dazwischen gibt es Tomaten-Mozzarella und Nudelsalat. Der Kaffee kommt von Coffee Circle aus Berlin. Der Tee von ChariTea aus Hamburg. 

„Das Bellevue di Monaco ist bunt, laut und leise, ein Ort der Begegnung, des Austausches, ein inspirierender Ort zum Arbeiten und definitiv einer des guten Kuchens…“

Es finden Trommel-, Foto-, Poetry- und Nähworkshops statt, es gibt eine Hausaufgabenhilfe, Beratung für Geflüchtete, ein Frauencafé, Sprachpartnerschaften und eine Radlwerkstatt. Alles organisiert von ehrenamtlichen Helfern. 

Das Bellevue di Monaco ist bunt, laut und leise, ein Ort der Begegnung, des Austausches, ein inspirierender Ort zum Arbeiten und definitiv einer des guten Kuchens – den gab es dann natürlich noch extra.

Wir freuen uns sehr mit eurer Hilfe unseren Teil zu einem so wunderbaren Projekt beitragen zu können. Kommt vorbei, wir freuen uns auf euch!

Much #LOVE aus der Nachbarschaft!

– Nadja Steinbach –

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